Allergiebehandlung
Die Behandlung einer Allergie richtet sich zum einen nach den aktuellen Beschwerden, zum anderen richten wir den Blick verstärkt auf die langfristigen Folgen, die eine unbehandelte Allergie mit sich bringt. Aus einer nicht behandelten Allergie (nach dem Motto: "Die paar Wochen halte ich das so aus!") kann mit der Zeit ein chronisches Asthma (Etagenwechsel) werden oder eine dauerhafte Reizung der Nasenschleimhäute mit chronischer Nebenhöhlenentzündung entstehen. Beides beeinträchtigt dann das tägliche Leben.

Vermeiden des allergieauslösenden Stoffes (Allergiekarenz)
Das Vermeiden des Kontaktes mit dem allergieauslösenden Stoff ist prinzipiell die beste Behandlung. Dazu muss man zum Einen seine Allergien genau kennen (s. Allergiediagnostik), zum Anderen sind entsprechend genaue Informationen nötig, z.B. ein Pollenflugkalender, Informationen über Nahrungsmittelbestandteile oder über die typische Verbreitung von Milben oder Schimmelpilzen. Auch wenn mehrere Allergien gefunden worden sind und nicht alle vollständig zu vermeiden sind, lohnt es, sich möglichst wenigen Belastungen auszusetzen. Wie das im Einzelnen möglich ist, hängt stark von der jeweiligen Allergie ab. Die entsprechenden Informationen bekommen sie von uns durch Informationsblätter (z.B. Frühblüher, Gräser/Roggen, Kräuter, Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Nahrungsmittel, Tierhaare, Insektengift)
Natürlich ist es bei einer allergischen Erkrankung der Atemwege besonders wichtig, zusätzliche Schadstoffe wie Zigarettenrauch oder Ozon zu vermeiden. Maßvoller Sport zur richtigen Tageszeit und Entspannung haben generell eine positive Wirkung auf die Allergie.

Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie wird in verschieden Stufen eingeteilt, die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden.

Abschwellende Nasentropfen (Wirkstoff z.B. Xylometazolin) sollten nur kurzzeitig genommen werden. Sie machen die Nase zwar frei, haben aber keinerlei Wirkung auf die ursächliche allergische Reaktion, können auf Dauer zu einer Art Abhängigkeit führen und die Schleimhaut schädigen.

Der Wirkstoff Chromroglycinsäure wird bei gering ausgeprägtem Niesreiz und geringem allergischen Schnupfen als Spray eingesetzt. Es soll die Freisetzung von Entzündungsstoffen hemmen und muss 4x täglich angewendet werden. Diese Substanz hat sich auch bei der Behandlung der Augen (allergischen Bindehautreizung) bewährt.
Es sind keine nennenswerten Nebenwirkungen bekannt, bei starken Beschwerden ist die Behandlung mit Cromoglycinsäure jedoch oft nicht ausreichend.

Antihistaminika sind als Tabletten, Saft und auch als Spray verfügbar. Sie unterdrücken die frühe allergische Reaktion und wirken auch gegen die folgende Entzündungsreaktion. Sie können auch kleinen Kindern verschrieben werden.
Bei den meisten Produkten reicht die 1x tägliche Einnahme, die auch bei Bedarf (z.B. je nach Wetter oder geplanter Aktivität) erfolgen kann, da die Wirkung in etwa einer halben Stunde eintritt. Einige Patienten berichten über Müdigkeit bei Einnahme von Antihistaminika, die zum Teil auch von der Belastung des Körpers durch die Allergie herrühren kann. Ältere Antihistaminika beeinträchtigen z.T. die Fahrtüchtigkeit! Nebenwirkungen für das Herz können besonders bei vorbestehenden Herzerkrankungen sowie gleichzeitiger Lebererkrankung oder Einnahme von leberbelastenden Medikamenten (Makrolidantibiotika, Antimykotika) auftreten. Bitte lesen Sie genau die Packungsbeilage und halten ggf. Rücksprache mit uns.

Cortisonspray hat sich in den letzten Jahren als besonders gut wirksam bei stärkeren Beschwerden erwiesen. Die neueren Produkte wirken gut an der Schleimhaut, gelangen aber nicht in einer messbaren Menge in den Blutkreislauf und können deshalb auch bei Kindern eingesetzt werden. Wie in der Asthmatherapie kann durch Cortisonspray die Schleimhaut der oberen Atemwege vor einer fortschreitenden Veränderung durch die allergische Reaktion geschützt werden. Cortisonspray wirkt nicht sofort, sondern mit einigen Tagen Verzögerung. Es sollte 1-2x täglich schräg nach oben in die Nase eingesprüht werden, nachdem die Nase von Schleim befreit wurde (häufigere tägliche Anwendung bringt keine stärkere Wirkung). Bei der akuten Allergie wirkt es mild abschwellend und verhindert Juckreiz und Sekretfluss. Das Spray wirkt auch gut bei chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder bei Polypenbildung in der Nase. Unter der längeren Anwendung erholt sich die Schleimhaut und produziert wieder normaleren Schleim.
Das Cortison wird wegen seines ehemals schlechten Rufes eher zu selten eingesetzt. Bei örtlicher Anwendung als Spray hat es keine Nebenwirkungen außer gelegentlich Trockenheit und Missempfindungen der Nasenschleimhäute. Damit hat es viel von seinem "Horror" verloren, der in vergangenen Jahrzehnten durch übermäßige Einnahme von Cortisontabletten entstanden war (Pergamenthaut, Knochenschwund, Dickleibigkeit, Blutzucker, Bluthochdruck).
In Einzelfällen ist jedoch auch eine kurzzeitige Gabe ( z. B. 10 Tage) von Cortisontabletten nötig. Bei besonnener Anwendung entstehen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen. Bitte weisen Sie uns auf Vorerkrankungen wie Blutzucker, Bluthochdruck, Magengeschwür, oder Hormonstörungen hin. Bei Beschwerden unter der Einnahme oder Fragen nehmen Sie bitte zu uns Kontakt auf. Bei Schwangerschaft sollte die Einnahme zunächst vermieden werden.

Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie- SIT)
Die antiallergischen Medikamente mildern die Beschwerden der Allergie kurzzeitig. Bei der Hyposensibilisierung wird jedoch durch regelmäßige Gewöhnung der Abwehrzellen an die allergieauslösenden Stoffe die überschießende (allergische) Reaktion des Immunsystems verhindert. Diese Wirkung ist durch viele wissenschaftliche Studien nachgewiesen.

Die Standarttherapie bei der Hyposensibilisierung besteht in einer regelmäßigen Gabe eines Impfstoffes unter die Haut ( subcutan ). Neuere Medikamente können auch täglich unter die Zunge ( sublingual ) getropft werden oder in Tablettenform eingenommen werden. Der Wirkmechanismus auf Ebene des Immunsystems ist hier aber ein anderer, der gewöhnlich nicht so lange und stark wirkt wie die Impfungen .

Die akuten allergischen Beschwerden (Fließschnupfen, Juckreiz, Augentränen) werden durch die Behandlung deutlich gebessert. Es werden weniger Medikamente gebraucht. Außerdem ist es ein Erfolg, wenn die Beschwerden im Laufe der Jahre nicht zunehmen, die Allergie sich nicht auf andere Stoffe ausweitet und der befürchtete "Etagenwechsel" ausbleibt, d.h. dass sich die allergischen Beschwerden nicht vom Nasenbereich auf die unteren Atemwege z.B. als allergisches Asthma ausbreiten. Hiervon ist etwa ein Drittel der Allergie-Patienten bedroht.

Die Hyposensibilisierung ist zu empfehlen, wenn:

  • als Ursache der Beschwerden sicher durch Beobachtung (Anamnese) und Untersuchung (Pricktest, nasale Provokation, ... ) eine Allergie nachgewiesen wurde
  • die allergieauslösende Substanz nicht anhaltend vermieden werden kann (Allergiekarenz)
  • eine entsprechende verlässliche Impflösung zur Verfügung steht ( z.B. für Milben, Pollen: Bäume, Gräser, Kräuter.., Insektengift, in Einzelfällen Katze/Hund)
  • eine verlässliche Mitarbeit der Patienten gewährleistet ist (Einhalten regelmäßiger Spritzentermine, Schonung nach Gabe der Spritze)


Die besten Erfolgsaussichten bestehen bei jungen Menschen, bei denen die Allergie noch nicht zu lange besteht und nicht zu viele verschiedene Allergien vorliegen. Dennoch ist oft eine Hyposensibilisierung auch bei älteren Patienten sinnvoll. Liegen mehrere Allergien vor, kann eine gezielte Behandlung von einer oder mehreren Allergiegruppen eine deutliche Linderung der Beschwerden bewirken ( z.B. Hausstaubmilben und Frühblüher). Auch bei langjährigen Allergie-Patienten kann eine Hyposensibilisierung empfehlenswert sein, z.B. bei Zunahme der Beschwerden, selbst wenn eine frühere Spritzenbehandlung keinen anhaltenden Erfolg brachte, weil die Wirkstärke der heutigen Lösungen deutlich verlässlicher ist und in Einzelfällen auch eine "Auffrischung" in Frage kommt. Der Erfolg einer Behandlung ist im Einzelfall nicht immer eindeutig zu beurteilen, da von Jahr zu Jahr die Belastungen unterschiedlich sind, wie auch die eigene Empfindlichkeit je nach Lebensphase unterschiedlich ist. Ein Vergleich mit Hilfe eines Beschwerdetagebuches ist dann hilfreich.

Bei Kindern kann eine Hyposensibilisierung bei entsprechend starken Beschwerden etwa ab dem 6. Lebensjahr erwogen werden. Sie sprechen auf die Behandlung erfahrungsgemäß sehr gut an.

Eine Hyposensibilisierung sollte nicht durchgeführt werden bei Tumorerkrankungen, schweren Erkrankungen des Immunsystems sowie wegen der Schockgefahr bei schweren Herzerkrankungen, starkem Bluthochdruck, der Einnahme von Betablockern, oder psychischen Erkrankungen.
Sie sollte zudem nicht bei einer bestehenden oder geplanten Schwangerschaft begonnen werden. Bei sehr schweren allergischen Erkrankungen mit chronischen Veränderungen (z.B. starkes Asthma) oder starker Neurodermitis (atopische Dermatitis) sollten Vor- und Nachteile einer Hyposensibilisierung gegeneinander abgewogen werden, da hier auch eine Verschlechterung eintreten kann.

Durchführung:
Die Allergielösung wird einmal in der Woche unter die Haut (subkutan) am Oberarm gespritzt (deutlich weniger schmerzhaft als eine normale Impfung in den Muskel). Die Menge bzw. Konzentration wird von Woche zu Woche gesteigert.
Vor jeder Spritze informieren Sie uns bitte, wie es Ihnen geht. Wir müssen wissen, ob Sie einen Infekt oder andere Erkrankungen bekommen haben, und wie Sie die letzte Spritze vertragen haben. Wenn Sie sich schlecht fühlen oder beim letzten Mal eine starke Schwellung auftrat, darf die Spritze nicht ohne weiteres gegeben werden.
Nach jeder Spritze müssen Sie eine halbe Stunde in der Praxis warten
wegen einer möglichen überschiessenden Reaktion (s. Nebenwirkungen). Am gleichen Tag sollten Sie stärkere Belastungen wie Sport und Sauna vermeiden.

Grundsätzlich wurde bisher die ganzjährige Hyposensibilisierung mit einer Steigerungsphase (3-4 Monate mit Spritzen im wöchentlichen Abstand) und einer Erhaltungsphase (Spritze einmal monatlich) über insg. 3 Jahre empfohlen (z.B. bei Hausstaubmilben). In der Steigerungsphase sollten keine größeren Pausen auftreten (Urlaub, Auslandsaufenthalt etc.).
Für Pollen-Allergiker besteht aber auch die Möglichkeit der Kurzzeitsensibilisierung mit ähnlich guten Erfolgsaussichten.Hier werden vor Beginn der Zeit der Beschwerden sieben Spritzen im Abstand von 1-2 Wochen gegeben, z.B. für Frühblüher (Hasel, Erle, Birke) ab Oktober und für Gräser/Roggen ab Januar. Der minimale Abstand zwischen den Spritzen beträgt 5 Tage. Bei stärkeren Nebenwirkungen oder einer Pause, die länger als 2 Wochen war, muss ggf. eine Spritze wiederholt werden. Diese Behandlung soll mindestens drei Jahre hintereinander durchgeführt werden.

Antiallergische Medikamenten beinflussen die Wirksamkeit der Hyposensibilisierung nicht.

Nebenwirkungen:
Nach der Spritze kann es am Oberarm je nach Menge der Lösung zu einer Schwellung kommen, sowie zu Juckreiz und Rötung. Sollte die Schwellung in der Praxis oder zu Hause größer als 5 cm im Durchmesser werden, weisen Sie uns bitte darauf hin. Der Juckreiz am Arm kann gegen Ende der Behandlung durchaus einige Tage anhalten.
Eine starke allergische Sofortreaktion (innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Spritzegabe) tritt sehr selten auf, kann aber lebensbedrohlich sein. Warnsignale dafür sind Juckreiz in den Handinnenflächen und auf dem Kopf, generelle Hautrötung, Übelkeit, Reizhusten und Luftnot. Bitte machen Sie sich den Mitarbeitern dann sofort bemerkbar. Ebenfalls selten ist eine Spätreaktion (nach etwa 6 Stunden) mit starker Abgeschlagenheit und Luftnot. Bitte nehmen Sie dann sofort Kontakt mit uns oder dem ärztlichen Notdienst auf.